Eine Hand hält einen Kugelschreiber und zeigt damit auf ein vor ihm liegendes Datenblatt, welches grüne Balken und ein Kreisdiagramm zeigt

Nachhaltigkeitsberichterstattung im Mittelstand: Die CSRD als Chance oder Belastung?

Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) kommen auf deutsche Unternehmen neue und erweiterte Nachhaltigkeitsberichtspflichten zu. Zwischen den Berichtsjahren 2024 bis 2026 fallen stufenweise rund 15.000 bilanzrechtliche große, sowie kleine und mittelgroße, kapitalmarktorientierte Unternehmen unter die neue Berichtspflicht. Insbesondere letztere Gruppe sieht sich Herausforderungen in der Adaption gegenüber. Unser Focus Paper „Nachhaltigkeit im Mittelstand: Die CSRD als Chance oder Herausforderung?“ zeigt, dass dem Mittelstand jedoch primär Vorteile durch die neue Richtlinie winken.

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Fritz Putzhammer
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Jakob Christof Kunzlmann
Senior Expert

Inhalt

Die ökologische Transformation der Wirtschaft bedarf hoher Investitionen. Damit private Finanzmärkte zur Finanzierung der Transformation beitragen können, benötigen sie Informationen, wie nachhaltig die Unternehmen wirtschaften. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU-Kommission sieht daher sowohl eine Ausweitung und Standardisierung der Inhalte der Nachhaltigkeitsberichterstattung als auch eine Ausweitung des Kreises der berichtspflichtigen Unternehmen vor.

Die neuen Vorgaben sollen hierbei stufenweise, für einen wachsenden Kreis an Unternehmen, eingeführt werden, wie in Abbildung 1 dargestellt.

Worüber muss berichtet werden?

Die Form und Inhalte der neuen Nachhaltigkeitsberichte wird hierbei standardisiert durch die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) vorgegeben und umfassen Themenblöcke zur Umwelt, Soziales und der Unternehmensführung, welche weiter in konkrete Angabepflichten aufgeteilt sind.

Mit Ausnahme der allgemeinen Angaben in ESRS 2 entscheidet eine interne Wesentlichkeitsanalyse in den Unternehmen darüber, über welche Nachhaltigkeitsthemen ein Unternehmen berichten muss. Dabei gilt das Prinzip der "doppelten Wesentlichkeit", bei dem sowohl finanzielle Auswirkungen eines themenspezifischen Sachverhalts (zum Beispiel Umweltverschmutzung) auf das Unternehmen (outside-in Perspektive), als auch Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Mensch und/oder Umwelt (inside-out Perspektive) berücksichtigt werden müssen.

Auswirkungen auf den Mittelstand

Kleine und Mittelgroße Unternehmen des deutschen Mittelstands waren unter der bisher gültigen NFRD nur in Ausnahmefällen berichtspflichtig. Mit der Ausweitung der Berichtspflicht auf große Unternehmen ohne Kapitalmarktorientierung müssen ab 2026 nun erstmals auch viele große Mittelständler Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Hierfür müssen sie erstmalig eine Vielzahl an Informationen im eigenen Unternehmen, in ihrer Lieferkette und von wichtigen Kunden erheben. Ein noch größerer Kreis mittelständischer Unternehmen wird indirekt von der neuen Berichtspflicht betroffen sein, da sie sich steigenden Informationsbedarfen ihrer berichtspflichtigen Geschäftspartner – seien es Kunden, Zulieferer oder Finanzpartner – gegenübergestellt sehen. Die Komplexität der neuen Berichterstattung stellt hierbei die größte Herausforderung für viele kleinere Unternehmen dar, denn die benötigten Strukturen und Prozesse müssen in vielen Unternehmen erst noch geschaffen werden.

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung eröffnet dem Mittelstand allerdings vor allem auch eine Reihe an Chancen. Die neu erhobenen Nachhaltigkeitsinformationen können – neben der Berichterstattung selbst – zum Beispiel zur Identifikation von Einsparpotenzialen, zur langfristigen Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells oder zur Identifikation von Innovationspotenzialen genutzt werden. Die Berichte ließen sich darüber hinaus strategisch als Kommunikationsinstrument einsetzen: Denn nicht nur Kunden oder Finanzpartner interessieren sich für die Nachhaltigkeit der Unternehmen. Auch Zulieferer und Beschäftigte zählen zunehmend zu den Interessenten solcher Informationen. Die Berichte könnten Mittelständlern bei ihrer Finanzierung – insbesondere beim Zugang zu Förderkrediten - und bei der Suche nach Nachfolgelösungen helfen. Perspektivisch ließen sich die Berichte dazu verwenden, behördliche Informationsbedarfe zu decken, und damit einen Beitrag zu Bürokratieabbau zu leisten.

Gesamtbewertung und Handlungsempfehlungen

Die CSRD und die damit einhergehenden Berichtsstandards geben Unternehmen die Möglichkeit (aber auch die Pflicht), die eigene Nachhaltigkeit sehr umfassend zu dokumentieren. In Anbetracht der vielfältigen Chancen, die sich hieraus für Unternehmen ergeben können, sowie der systematischen Notwendigkeit einer standardisierten Nachhaltigkeitsberichterstattung zur Erreichung einer nachhaltigeren Wirtschaft und der gesetzten Klimaziele, ist die neue Berichtspflicht insgesamt positiv zu werten.

Dennoch muss darauf geachtet werden, eine Implementierung der neuen Vorgaben so nutzerfreundlich wie möglich zu gestalten, um unnötige Adaptionsschwierigkeiten für die Unternehmen zu vermeiden. Insbesondere die Berichtspflichten zur Wertschöpfungskette großer Unternehmen führt zu einer starken indirekten Belastung nicht-berichtspflichtiger KMU. Die derzeitige Ausarbeitung der Standards für börsennotierte KMU (LSME-Standards) bieten eine Gelegenheit, diese indirekten Belastungen für KMU zu reduzieren, da die CSRD eine Begrenzung der Berichtspflichten zur Wertschöpfungskette auf die Inhalte der LSME-Standards vorsieht.

Die Vorteile der Nachhaltigkeitsberichterstattung sollten stärker kommuniziert werden. Dazu gehört auch die Vermittlung einer übergeordneten Vision, wie die Nachhaltigkeitsberichterstattung einen maßgeblichen Beitrag zu wichtigen Politikzielen wie dem Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft leisten kann. Ein solches Narrativ ist wichtig, um Unternehmen den Sinn der Regulierung zu vermitteln und sie zur Einhaltung der Vorschriften zu bewegen beziehungsweise Bürokratievermeidung zu minimieren. Schließlich sollte der Aufbau von Beratungskapazitäten in den Branchenverbänden weiter unterstützt werden. Diese könnten als Multiplikator für das in Deutschland vorhandene Erfahrungswissen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung fungieren.

Das Focus Paper „Nachhaltigkeit im Mittelstand: Die CSRD als Chance oder Herausforderung?“ wurde von den Autoren Markus Rieger-Fels und Jonas Löher des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn für die Bertelsmann Stiftung verfasst.

Bisher in dieser Reihe erschienen